So normal wie möglich soll es sein

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Schule Berater helfen Eltern, wenn ihre Kinder gefördert werden (AZ vom 20.12.2014)

Felix ist sieben Jahre alt und geht seit diesem Jahr zur Schule. Dafür mussten vorher einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Denn Felix hat eine große Muskelschwäche in den Oberschenkeln. Das bedeutet, er tut sich schwer beim Gehen. Dass er trotzdem in der Suttschule unterrichtet werden kann, daran hat die Beratungsstelle für Schulen (BFS) großen Anteil. „Es ist gut, jemanden an seiner Seite zu haben, der einem unbürokratisch und direkt hilft", sagt der Vater von Felix, Jörg Heiler. Die Arbeit der Kemptener Berater in Sachen Inklusion wurde jetzt im Kultusministerium als beispielhaft für ganz Bayern herausgestellt. „Wie alle Eltern wollen wir soviel Normalität wie möglich für unseren Sohn", sagt Jörg Heiler. Deshalb sollte Felix in der nächsten Grundschule seiner Umgebung unterrichtet werden.

Dabei habe die Beratungsstelle mitgeholfen, die richtigen Ansprechpartner zu finden, Anträge auszufüllen und einen Schulbegleiter für Felix zu finden. Glück war für ihn, dass die Suttschule als Inklusionsschule barrierefrei ist. So kann der Erstklässler mit dem Aufzug in den oberen Stock ins Klassenzimmer fahren. Die „direkte und unbürokratische Hilfe", über die sich die Eltern so freuen, ist möglich, weil die Kemptener Berater über längere Erfahrung verfügen. Die Stelle gibt es seit fünf Jahren. Bei ihr können sich alle Eltern rund um die Schule informieren lassen. Seit vergangenem Jahr beraten sie die drei Mitarbeiter zudem bei der Inklusion: Wenn Kinder, die früher nur in eine der Sonderschulen hätten gehen können, jetzt auch die Möglichkeit haben sollen, in einer allgemeinen Regelklasse unterrichtet zu werden. „Wobei die alleinige Entscheidung bei den Eltern liegt", betont Schulamtsdirektor Hans Fasser. Die kann auch gegen die Regelschule ausfallen: „Manchen Eltern ist der geschützte Raum einer Sonderschule lieber für ihr Kind", sagt Beratungslehrerin Cordula Lüttig.

Da haben die Eltern in Kempten eine große Auswahl: In der Stadt gibt es alle Arten von Förderschulen und „eine außergewöhnlich große Zahl von fünf Inklusionsschulen", sagt Fasser. „Wir sagen den Eltern, welche Möglichkeiten ihre Kinder haben, und stellen den Kontakt zur Schule und zu anderen Einrichtungen her, wenn Hilfen nötig sind", sagt Georg Trautmann von der Beratungsstelle. Insgesamt gebe es 15 Stellen in Kempten, an denen sich Eltern zu Erziehungs- oder anderen Fragen Rat holen können. Das große Angebot überfordert manche Eltern. Die BFS konzentriert sich speziell auf das Thema Schulen, ist aber mit allen Einrichtungen vernetzt. „Alle ziehen an einem Strang" Dass der Beratungsbedarf bei den Eltern, aber auch bei Lehrern, stetig steigt, hat Schulpsychologin Jana Kesel festgestellt: Allein im vergangenen Jahr hatte sie 180 Fälle. Im nächsten Jahr kommt noch ein weiterer Mitarbeiter hinzu: Gerhard Schneid wird dann in der Füssener Straße 90 speziell Fragen zur Integration von Kindern mit ausländischen Wurzeln beantworten. Einen weiteren Grund, warum die Kemptener Stelle bayernweit als Vorbild gilt, nennt Bernhard Dossenbach, Leiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums (Agnes- Wyssach-Schule): „Weil hier alle zusammen an einem Strang ziehen: das Schulamt, die Stadt Kempten und die Förderschulen." Darum würden sie von vielen anderen auch beneidet.

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