Ab der siebten Klasse geht’s in Richtung Beruf

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Mittelschulen Jugendliche sollen frühzeitig Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln (AZ 9.10.13)

250 Kilo wiegen die Betonsockel für die Rundbank im Innenhof der Robert-Schuman-Schule. Um sie zu transportieren, haben Schüler wie Christopher Wegrath eigens einen Kran konstruiert. Manuel Immler hat seine Liebe zum Holzbau entdeckt und in ein Praktikum umgesetzt. Lilli Cekuhin ist seit vergangenem Jahr sicher, dass das Friseur-Handwerk für sie nichts ist. Ihre Erfahrungen haben die Jugendlichen im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Kempten gemacht.

 Handwerkskammer arbeitet bereits einige Zeit mit der Robert- Schuman-Schule zusammen. Alle Mittelschulen in Kempten wollen diesen Weg ausbauen und weiter beschreiten. Gestern stellten die Beteiligten das Projekt Berufsorientierungs- Schule vor. Diese „BO-Schule" bringt die jungen Leute ab der 7. Klasse kontinuierlich mit dem Berufsleben in Kontakt. Stadt, Staatliches Schulamt und Agentur für Arbeit vertreten die Behörden, Stadtjugendring, Kolping Bildungswerk und BTZ erfüllen das Konzept mit Leben und Lehrpersonal.

Schulleiter: „Wir setzen auf anerkannte Organisationen"


Das zeichnet unter anderem die neue Ausbaustufe der vertieften Berufsorientierung aus: Im Gegensatz zu bisher wollen die Kemptener Schulen nicht länger mit ständig wechselnden Bildungsträgern aus dem ganzen Freistaat zusammenarbeiten. „Wir setzen auf anerkannte Organisationen, die ihre Angebote auf die einzelnen Schulen abstimmen", sagte Herbert Rotter, Leiter der Robert-Schuman-Schule. Bei der Stadt wird eine eigene Koordinierungsstelle eingerichtet – an der Verknüpfung von Schulen und Organisationen habe es bislang nämlich ein wenig gehapert. Eine „Kommunikationszentrale" stellt sich Michael Preisedanz, Leiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, vor. Schließlich sind sämtliche Mittelschüler der Jahrgangsstufen sieben bis neun in das Programm eingebunden. Die Eltern werden ebenfalls frühzeitig angesprochen. Materialen anfassen, die Atmosphäre in einer Werkstatt aufnehmen, Betriebe kennenlernen – all das gehört recht früh zum Programm der Jugendlichen. Berufswahlpass, Bewerbungstraining und ein begleitetes Praktikum schließen sich an. In einer Projektarbeit geht es zudem um die Berufs- und Arbeitserprobung. Vorstellungsgespräche stehen bei einer weiteren Einheit im Mittelpunkt, bevor es in der Neunten für alle ins Praktikum geht – idealerweise öffne sich dort bereits die Tür zu einer Lehrstelle. Nicht nur die Schüler loben den direkten Bezug zur Praxis: „Teamarbeit funktioniert dort wirklich", hat Klassleiterin Frauke Jakobsen beobachtet. Mit den Mädchen den Baubereich zu erfahren, lohne sich beispielsweise besonders. Alfred Ott vom Praxis-Team der Robert- Schuman-Schule schätzt den Austausch mit den Handwerksmeistern. „Es ist ja auch schon viel gewonnen, wenn sich ein Lehrer mal was sagen lässt", witzelte er. „Bayernweit einzigartig" ist die „BO"-Schule bisher, sagte Schulreferent Benedikt Mayer. Rund 170 000 Euro ist die spezielle Förderung der Stadt jährlich wert.

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